Gespräch während des Festumzuges

Martin: Es wundert mich, wie unterschiedlich doch die Trachten sind. Gibt es da auch regionale Unterschiede, oder woran liegt das?

Katrin: Ja, die Trachten kann man grob in vier regionale Gruppen einteilen:  Südestland, Nordestland, Westestland und die Inseln.

Martin: Seit wann gibt es die Volkstrachten?

Katrin: Die ältesten Überlieferungen über die Volkstrachten stammen aus dem 11.-13. Jahrhundert. Damals trugen Frauen ein Leinenhemd mit Ärmeln und einen wollenen Mantel. Um die Hüften wurde ein wollenes Tuch gewickelt, das mit einem Gürtel festgehalten wurde. Sowohl die Alltagskleider als auch die Festtracht stellten ein kompliziertes Zeichensystem dar, das auf die nationale und soziale Zugehörigkeit sowie den Familienstand und das Alter der Person hinwies. So konnte man zum Beispiel an einer Tracht ablesen, ob die Trägerin ledig, verheiratet oder verwitwet ist.   Verheiratete Frauen mussten die Haare mit einer Haube oder einem Tuch bedecken und zu ihrer Tracht gehörte eine Schürze. Ledige Mädchen trugen eine Kopfbinde oder einen Kranz, die Schürze fehlte.

Martin: So, wie bei den beiden da?

Katrin: Genau. Aber in der Tracht von verheirateten und ledigen Männern gab es keine wesentlichen Unterschiede.

Martin: Du hast mir mal erzählt, dass die Volkstrachten auch heutzutage noch recht oft getragen werden. Zu welchen Anlässen denn?

Katrin: Wenn es etwas Wichtiges zu feiern gibt, z. B. bei Hochzeiten, beim Universitätsabschluss, beim Sängerfest, am Johannistag usw. Einige tragen auch beim Präsidentenempfang Volkstrachten. Früher hat man die Volkstrachten jeden Tag getragen. Man hat sie aus handgewebten Leinen- oder Wollstoffen genäht. Natürlich waren die Alltagskleider einfacher als die Festtracht, nicht so reichlich mit Stickereien geschmückt und man hat dazu nur sehr bescheidenen Schmuck getragen. Die Festtrachten wurden von Generation zu Generation weitervererbt. Dann gab es noch Kleider zum Ausgehen, die nicht so feierlich waren. Heutzutage trägt man die Trachten in der Regel nur zu feierlichen Anlässen. Aber auf der Insel Kihnu wird die traditionelle Tracht viel öfter getragen. 

Martin: Hast du auch eine Volkstracht zu Hause?

Katrin: Nein, leider nicht. Ich habe nur einen traditionellen Gürtel, den ich gerne zu einem leinenen Kleid trage. Nicht alle Esten haben heutzutage eine Tracht. Aber früher war es üblich, dass man zur Konfirmation eine vollständige Festtracht bekam.

Martin: Warte mal, ich mache ein Foto.

 

Vokabeln

der Unterschied, -e – erinevus

die Überlieferung, die, -en  – pärimus

der Ärmel, -n – varrukas

die Hüfte, -n – puus

das Tuch, “-er – rätik

wickeln mähkima

der Gürtel - – vöö

die Zugehörigkeit – kuuluvus

der Familienstand – perekonnaseis

hinweisen – osutama, viitama

ablesen – välja lugema, järeldama

verheiratet – abielus

ledig – vallaline

verwitwet – lesk

die Haube, -n – tanu

das Kopftuch, “-er – pearätik

die Kopfbinde, -n – peapael

der Kopfkranz, “-e – pärg

die Schürze, -n – põll

der Anlass, “-e – põhjus, ajend

der Präsidentenempfang, “-e – presidendi vastuvõtt 

die Festtracht – pidulikud rõivad

die Stickerei, -en – tikand

handgewebt – kodukootud

das Leinen – linane riie

der Leinenstoff – linane riie

der Wollstoff – villane riie

die Konfirmation, -en – leer